Frau Tetz im Gespräch mit dem Bodelschwingh-Gymnasium Herchen

Am 8. Juli 2019 war nach einer Einladung von unserer Schulleiterin Frau Dr. Pschibille und von Herrn Dr. Meierhenrich Oberkirchenrätin Henrike Tetz, Leiterin der Abteilung für Erziehung und Bildung der Evangelischen Kirche im Rheinland, in der Aula des Bodelschwingh-Gymnasiums Herchen zu Gast. Als Mitglied der Kirchenleitung besteht eine ihrer Aufgaben darin, Kontakt zu den Schulen zu halten und für diese wichtige Entscheidungen zu treffen.

Nach ihrem Amtsantritt hatte Frau Tetz bei einem ersten Besuch am Bodelschwingh-Gymnasium Herchen im September letzten Jahres versprochen, bei einem weiteren Besuch mit den Schülerinnen und Schülern der Oberstufe ins Gespräch zu kommen. Die Stufen 10 und 11 des BGH waren zu diesem Zweck als Gesprächspartner ausgewählt worden, um über Themen zu sprechen, die ihnen besonders am Herzen liegen.

Nach einer herzlichen Begrüßung wurden von Frau Dr. Pschibille die Gesprächsthemen benannt. Dies waren der biographische Werdegang von Frau Tetz sowie die Themen „Kirche und junge Menschen", „das Christentum im Umgang mit anderen Religionen und dem Atheismus" und „Ethische Fragen". Danach wurden die vorgesehenen Gesprächsthemen aufgegriffen und Herr Dr. Meierhenrich stellte die Eingangsfrage an die Schülerinnen und Schüler, wie sie ihr Verhältnis zum Bodelschwingh-Gymnasium Herchen als kirchliche Schule erleben.

In einer der ersten Antworten wurde von einem Mitglied der SV das große Mitspracherecht der Schülerinnen und Schüler und die gute Arbeit der Schülervertretung im Kontakt mit der Schulleitung hervorgehoben, durch die in den letzten Jahren viel bewegt worden sei.

Diese erste Reaktion nutzte Frau Tetz dazu, um darauf hinzuweisen, dass die Evangelische Kirche im Rheinland ein großes Interesse daran habe, gerade auch jungen Menschen die Beteiligung am kirchlichen Leben zu ermöglichen. Als Beispiel verwies sie auf die Jugendsynode, bei der ein „Treffen auf Augenhöhe" zwischen Synodenmitgliedern und den Jugendlichen möglich gewesen sei, bei dem gegenseitiges Zuhören und konstruktive Lösungen auch für Fragen wie 'Migration' oder 'Herabsetzung des Wahlalters von auf 18 auf 16 Jahre' diskutiert worden seien.

Als nächstes Thema wurden die Wertvorstellungen der Schülerinnen und Schüler in den Fokus gerückt. Herr Dr. Meierhenrich fragte, welche Werte für die Schülerinnen und Schüler besonders bedeutsam seien und für welche sie in besonderer Weise eintreten würden. Aus den Reihen der Schülerinnen und Schüler wurde dabei auf den Umweltschutz und auf die „Fridays for Future"-Bewegung verwiesen. Letztere beurteilte Frau Tetz als positives Engagement und erläuterte, dass z.B. im Saarland bereits Kirche und Vertreter der „Fridays for Future"-Bewegung miteinander im Gespräch seien. Angesichts ihres Auftrages zur Bewahrung der Schöpfung setze sich die Evangelische Kirche grundsätzlich und konsequent für mehr Klimaschutz ein und leiste z.B. mit verstärkter E-Mobilität, dem Wärmeschutz von Gebäude, der Anschaffung neuer Lichtanlagen, aber auch mit der Ansiedlung von Bienenvölkern einen Beitrag dafür.

Darüber hinaus gebe es aber auch viele weitere Aktivitäten der evangelischen Schulen im Rheinland, die sich z.B. an den „Fridays for Future"-Demonstrationen beteiligen oder innerhalb der eigenen Institution im Umweltschutz aktiv sind, so z.B. durch Müllsammelaktionen, beim Recyceln von Handys und an vielen weiteren Stellen.

Daneben fordere die Evangelische Kirche aber auch mehr Transparenz im politischen Leben und setze sich daher bei der Formulierung des neuen EU-Gesetzes für mehr Transparenz bei der Lobbyarbeit im Europäischen Parlament ein.

Das nächste Gesprächsthema bezog sich auf den Umgang der Kirche mit Andersgläubigen und Atheisten. Frau Tetz meinte hierzu, dass man mit diesen gesellschaftlichen bzw. religiösen Gruppen ins Gespräch kommen müsse. Grundvoraussetzung hierfür seien beiderseitige Toleranz und ein Aufeinanderzugehen. Dabei müsse auch Kritikern der Kirche Raum gegeben und ihre Positionen akzeptiert werden, um ein konstruktives Gespräch zu führen. Zu berücksichtigen sei dabei grundsätzlich immer, dass die Religionsfreiheit ist ein Grundrecht sei.

Bezüglich des Christentums erläuterte sie, dass der christliche Glaube auf Gemeinschaft aufbaue und sich nach außen wende. Dass sich Menschen von anderen Glaubensrichtungen als dem Christentum angesprochen fühlen, liegt in den Augen von Frau Tetz auch an den sehr unterschiedlichen Angeboten, die bis zur Einbindung von Wellnesskursen gehen. Nach solchen oder ähnlichen Angeboten müsse man jedoch nicht außerhalb der Evangelischen Kirche suchen, da die Arbeit an Körper und Seele auch im Blickpunkt der Evangelischen Kirche stehe.

Mit Bezug auf die 'Wendung der Kirche nach außen' antwortete Frau Tetz auf die häufig von Schülerinnen und Schülern geäußerte Kritik an der Kirchensteuer und des Einzugs durch den Staat. Dieses Verfahren sieht sie jedoch positiv, da das Steuergeld dazu verwendet werde, um damit Projekte, u.a. in der Dritten Welt, sowie kirchliche Angebote zu finanzieren. Dass der Staat die Kirchensteuer einziehe, spare Geld und komme damit den Zahlern der Kirchensteuer entgegen.

Als nächstes wurde Frau Tetz von Schulleiterin Frau Dr. Pschibille gefragt, wie ihr eigener Weg zum Glauben ausgesehen hat. Frau Tetz antwortete, in einer gläubigen Familie aufgewachsen zu sein, in der sie schon früh mit Theologie und kirchlichen Veranstaltungen wie Kindergottesdiensten in Berührung gekommen sei und als Schülerin regelmäßig an christlichen Gesprächskreisen teilgenommen habe, da diese einige für sie wichtigen Themen wie Liebe, Ökologie, Lebensziele u.a.m. erörtert hätten. Diesen Begegnungen folgten ein Studium der evangelischen Theologie und ein Aufenthalt in einem Problemviertel im englischen Liverpool. Danach habe sie den Beruf der Pfarrerin ergriffen.

Als letztes Gesprächsthema wurden schließlich die Genderfrage und der Aspekt der Gleichberechtigung aufgegriffen. Hier verwies Frau Tetz auf den biblischen Schöpfungsbericht. Sie zeigte auf, dass die Frau im hebräischen Originaltext (anders als in der Übersetzung Martin Luthers) keine untergebene „Gehilfin" des Mannes sei, sondern diesem „Seite an Seite entgegengestellt" und somit eine gleichberechtigte Partnerin sei. In diesem Zusammenhang wurde auch der Aspekt der Homosexualität angesprochen und die Frage nach gleichgeschlechtlichen Partnerschaften, die von der Evangelischen Kirche akzeptiert werden.

„Gott nimmt die Menschen an so wie sie sind", lautete dementsprechend auch das Schlusswort von Frau Tetz'.

Insgesamt war die Veranstaltung eine gute Idee und – auch aufgrund der kompetenten und authentischen Art und Weise von Frau Tetz - ein gelungene Veranstaltung. Es ist daher wünschenswert, dass der Dialog zwischen der Schülerschaft des Bodelschwingh-Gymnasiums Herchen und der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche im Rheinland weiter intensiviert wird.