Die ???-Kids: Musikdiebe – Das diesjährige BGH-Musical

Ein veritables Musical von Boris Pfeiffer und Peter Schindler, mit allem was dazu gehört, aufgeführt von Schülerinnen und Schülern der Klassen 5 bis 7 für die zahlreich erschienene interessierte Zuhörerschaft - das hat eine lange Tradition am BGH und ist doch immer wieder ein kleines Wunder: Die Mitwirkenden sind am Ende dieses Projekts eindeutig nicht mehr dieselben wie vor dem Projekt, denn die Bretter, die die Welt bedeuten, haben diese Kinder genauso verwandelt, wie sich die Bühnenfiguren im Laufe des Musicals verwandeln.

Die Handlung des Musicals spielt im Milieu des Popbusiness: Eine überaus ehrgeizige Mutter bringt ihr Kind dazu, die Popsongs der berühmten Sängerin Modena schon vorab im Internet zu veröffentlichen, so dass die Songs schon gecovert sind, bevor sie überhaupt auf den Markt kommen. Dies gelingt der „Musikdiebin" dadurch, dass sie zwei „Leierschwänze" ins Tonstudio einschleust, die nicht nur Geräusche, sondern auch ganze Songs nachsingen können – angesichts der allgegenwärtigen Urheberrechtsdebatte ein äußerst aktuelles Thema. Aber den drei Fragezeichen bleibt auf Dauer nichts verborgen. Sie wurden überragend dargestellt und gesungen von Jule Schütz und Paula Michail sowie Amelia Pack.

Die über hundert mitwirkenden Schülerinnen und Schüler haben gelernt, wie man sich selbst und die Zuhörerschaft mit Musiktheater begeistern kann. Sie haben erlebt, welcher Kick es sein kann, mit Musik und Theaterspiel sich einmal als einen ganz anderen Menschen auszuprobieren, so wie auch dies das eigentliche Thema dieses Musicals ist: Die Tochter der diebischen Mutter möchte ihre eigene Musik machen, darf es aber erst, als Modena sie als eigenständige und gute Sängerin am Ende des Musicals anerkennt und beide Freundinnen werden.

Die Botschaft geht aber noch weiter: Das Lied „Steckt ein Lied in alten Dingen" lehrt uns, dass die verstaubte oder demolierte Oberfläche der Dinge oft nicht deren wahren Charakter offenbart, denn „Das sind alles Wertstoffe!" lehrt uns Onkel Titus zu Recht. Im „Stimmbruch"-Song probiert die Musical-AG einmal aus, wie es klingt, wenn man absichtlich schief und so kratzig wie im Stimmbruch singt: Eine reife Leistung der Sängerinnen und Sänger mit einem Schuss Selbstironie, genau wie es auch für die Sing&Move-Kinder der 5. Klassen ein Riesensprung ist, im „Fahrrad"-Lied übertrieben zu agieren, um erst dadurch tatsächlich Bühnenwirkung zu erzeugen.

Die großen Chorszenen und Choreografien, die swingende Projektband und das Sing&Move-Orchester (unter der Leitung von Holger Knöbel, Klaus Zöllner sowie Damir Akhmetkhanov von der Werdin-Musikschule) wirkten wie aus einem Guss. Dies alles zu einem Gesamtkunstwerk zu verschmelzen, ist der „Verwandlungskünstlerin" Imke Frobeen zu verdanken, die diese Arbeit in unnachahmlicher Art seit Jahren am BGH leistet.

Großer Dank gebührt dem riesigen Stab von Helferinnen und Helfern im Hintergrund, nämlich dem Technik-Team (Lukas Holschbach und Christian Greis unter der Leitung von Ralf Dierenfeldt) und den Masken- und Bühnenbildnern unter der Leitung von Holger Zimmermann.