Kamerun
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BGH-Schülerinnen und –Schüler mit Kamerunern in Wittenberg

von Jana Richartz, Q2

Wie eng eine Gruppe von Menschen

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unabhängig von kulturellen Unterschieden und sprachlichen Barrieren zusammenwachsen kann, bewies das diesjährige Musicalprojekt, das mit viel Engagement und Eigeninitiative von BGH-Lehrer Wilhelm Neef in die Wege geleitet worden war.

Acht Schülerinnen und Schüler sowie zwei Begleitpersonen der PSST (Presbyterian School of Science and Technology) Bafut in Kamerun waren eingeladen, gut einen Monat lang nicht nur Gast an unserer Schule zu sein, sondern auch als Arbeitsgruppe ein Musical aufführungsreif einzustudieren. Dabei bildete die Arbeitsgruppe einen Zusammenschluss der Kameruner mit Herchener Schülern und Lehrern, während die Leitung des Musicals die eigens eingeflogenen Profis Guido Molina (Regisseur und Schauspieler) und Fernando Pardo (Musiker) aus Kolumbien übernahmen. Trotz der so bunten Mischung aus Menschen dreier Kontinente dauerte es dank einer entspannten, aber hoch motivierten Arbeitsatmosphäre nicht lange, bis in der Gruppe Züge eines starken Teams erkennbar wurden.
Waren die weit Gereisten am Abend ihrer Ankunft noch recht erschöpft, als sie von ihren Gastfamilien abgeholt wurden, so schienen sie sich doch als Neuankömmlinge im fremden Land schnell wohl zu fühlen.
Zur Begrüßung stimmten sie sogleich den Song „There's no one like Jesus" an, in das unser kleines Empfangskomitee natürlich so gerne wie angenehm überrascht einstimmte. Schon beim ersten Singen griff mit diesem Lied die gute Laune um sich. Wie die Songs des Musicals sollte es die Gruppe das ganze Projekt über begleiten und jedenfalls nicht zum letzten Mal gesungen worden sein.

Nachdem die Kameruner Gelegenheit gehabt hatten, sich bei ihren Gastfamilien einzurichten und sich über Nacht von der Anreise zu erholen, zeigten sie sich am darauf folgenden Tag bei der offiziellen Begrüßung durch unsere Schulleitung (Frau Dr. Pschibille und Herr Dierenfeldt) bereits sehr offen, über die momentan vorherrschenden, schwierigen Verhältnisse in ihrer Heimat zu berichten.

Gleich am ersten Tag starteten Guido und Fernando nach Besichtigung der Schule (des BGHs) und einem Kennenlernspiel die Arbeit für das Musical.
Während Fernando an Piano und Gitarre die Leitung des Chores und der Band übernahm, die von den Herchenern gestellt wurde - (Jonathan Birk (Stufe 11) – Klavier, Elias Holfeld (Stufe 10) – Bassbegleitung, Luc Ibrom (Stufe 11) – Schlagzeug/Drums, Holger Knöbel – Klavier, Maximilian Linder (Stufe 10) – Saxophon, Matthias Ludewig – Bassbegleitung/Gitarre, Charlotte Seckler – Geige) - kümmerte sich Guido um den schauspielerischen Part der Akteure, unter die sich neben den Kamerunern ebenfalls einige Herchener gemischt hatten:
[Derrick („Max"), Faithful („Monica"), Victorine („Beri"), John Arrey („Leo"), Rosaline ("Leos Mutter") Junior („Fonjui"), Mercy („Doctor"), Asanji (Caleb), Wendy („Snake"), Liesa Große („Nurse"), Emilio Schwerdtel und Jana Richartz (Chor)]

Das von Guido und Fernando entworfene Stück „Hope" oder auch „Mysterious Ways" ist kein leichter Stoff, wie die Gruppe schon zu Beginn beim Verlesen des Skriptes feststellte. Als die erste Herausforderung, sich kurz solistisch vorzustellen und zu präsentieren, von allen erfolgreich gemeistert und die Rollen verteilt wurden, erhielten alle die erste Einsicht in das gesamte Stück in englischer Sprache:
„Hope" erzählt das tragische Familien- und Liebesschicksal der Protagonistin Beri, welche sich aus den Fängen ihres autoritären Vaters in die Hände eines Liebhabers flüchtet, der sie jedoch missbraucht und im Stich lässt. Als die schwangere Beri ihren wahren Freund zurückweist und auch von ihrer Familie verstoßen wird, sieht sie sich verzweifelt mit ihrem Schicksal als HIV-Virusträgerin allein gelassen. Schließlich stirbt sie auf der Straße an ihrer Krankheit. Ihr Tod aber „belebt" ihre Mitmenschen in der Hinsicht, dass sie ihre eigenen Fehler, Probleme und ihren Eigenanteil der Schuld an Beris Tod erkennen. Das hat unter anderem zur Folge, dass die sich auseinanderlebenden Eltern Beris wieder zusammenrücken und mit Beris Kind, welches gerettet werden konnte, sogar eine zweite Chance, eine neue „Hoffnung", erhalten.

 

Bei den Proben dieses ernsten, aber eben nicht hoffnungslosen Stückes fanden sich bei den Kamerunern echte schauspielerische Talente, die jede Szene auf Papier mit Guidos Hilfe treffend in die Tat umzusetzen vermochten. Da die Zeit allerdings nur so knapp bemessen war, um ein Musical mit acht Songs und einer Stunde Spielzeit auf die Beine zu stellen, nutzte das Team trotzdem fast jede Minute der kommenden Tage, um zu üben. Dazu zählten auch zwei Probenwochenenden, bei denen die Möglichkeit eröffnet wurde, an jeder Feinheit zu feilen und das Musical zur gelungenen Gesamtkomposition von Band und Schauspieltruppe zu bringen. Die Pausen, die sich die Gruppe zwischendurch und an den Abenden gönnte, waren verdient und sorgten für Abwechslung und frische Energie. Ob beim Grillen/sonstiger Verköstigung durch tatkräftige Unterstützung von Jessica Reif, Wilhelm Neef oder Gasteltern oder ob beim nächtlichen Volley-, Basket- und Fußballspielen in einer Turnhalle – die von allen geteilte Freizeit wartete mit einer guten Portion Spaß und Training der Lachmuskeln auf.

Damit ist aber nicht gemeint, dass die Proben immer so ernst gewesen seien. Auch hier ergaben sich immer wieder Situationen, bei denen keiner nicht mindestens ein Lächeln zurückhalten konnte. Das gemeinsame Projekt schweißte das Team mehr und mehr zusammen, sodass nach nur elf Tagen ein aufführbereites „Hope" stand.
Dienstag, der 20. Juni, war Stichtag, zumindest für den Auftritt in der Aula des BGH:
Interessierte Gäste konnten in der 3./4. Stunden die erste offizielle Aufführung des Musicals mit dieser Gruppe erleben – und zeigten sich begeistert, sodass der Schlusssong „Kumbaya" gleich zweimal gesungen wurde. Nicht nur für diejenigen der Kameruner, die zuvor noch nie auf einer Bühne oder vor Publikum gestanden hatten, war dies ein aufregendes Erlebnis – Es lässt sich wohl guten Gewissens behaupten, dass mit dem rauschenden Publikumsapplaus ein gewisser Stolz in der Brust eines jedes einzelnen der Gruppe erwuchs. Waren wir es doch, die es zusammen geschafft hatten, ein solches Projekt auf die Beine zu stellen und nun zu präsentieren.
Angesichts dieses Erfolges konnten wir guten Mutes den Blick auf die kommenden Tage legen.

Dieser Auftritt war nämlich nur als Generalprobe gedacht gewesen, da wir beabsichtigten, als „Tandemschule" ein anlässlich des 500-jährigen Reformationsjubliäums stattfindendes internationales Schulcamp in Wittenberg zu bereisen und dort mit dem Musical auf eine Art „Minitour" zu gehen.
Letzteres erwies sich leider als problematisch, da uns vor Ort keine geeignete Bühne oder Auftrittszeiten zur Verfügung standen. Also nahmen wir schließlich mit der Turnhalle der alten Schule vorlieb, in deren Räumlichkeiten die Teilnehmer des Schulcamps übernachteten. Die Performance schien zu unserer Freude trotzdem einen gebührenden Eindruck hinterlassen zu haben.
Die anderen „Tandemschulen" bestanden ebenfalls aus je einer deutschen Schule und einer ausländischen, etwa aus Brasilien, dem Kongo, den Philippinen, aus Zambia und Ruanda.
Unsere Unterkunft verstärkte den internationalen Austausch also auf mindestens hoch sechs. Eine solche Möglichkeit ließen wir uns für die fünf Tage unseres Aufenthaltes natürlich nicht entgehen. Davon abgesehen beschränkten sich unsere Tätigkeiten im Camp nun also weniger auf weiteres Proben des Musicals, sondern zumeist auf das zusammengestellte Workshop-Programm der Organisatoren (EKD; GPEN). Darunter fiel als ganztägiges Highlight übrigens auch ein Fairplay-Soccerturnier, dessen Sieg sogar eines unserer beiden aufgestellten Teams (Wendy, Junior, Emilio,...) mit nach Hause tragen durfte.

Das Abendprogramm wiederum („Evensong"), in dem auch wir mit unserer Aufführungen Platz fanden, gestaltete sich zumeist mit wortwörtlich „bewegten" Präsentationen, bei denen beispielsweise die Schüler traditionelle Tänze aufführten oder zum Mitmachen und Singen einluden.

An unserem freien Tag im Camp besichtigten wir mit den Kamerunern Berlin. Zwar spielte uns das Wetter mehrmals übel mit, aber es ließ sich schnell zu den Kleinbussen für ein Mittagspicknick zurückfinden. So erreichte die Gruppe am Abend beinahe trockenen Fußes ein Lokal, welches das Fußballländerspiel zwischen Kamerun und Deutschland präsentierte. (Die Begeisterung für beide Mannschaften blieb selbstverständlich auch mit andersparteiischem Sitznachbarn stets sportlich und respektvoll!)

Ehe wir uns versahen, nahte der letzte Abend in Wittenberg und damit auch fast der Abschied.
Im kurzen Rückblick und Feedback, das jeder von uns geben konnte, wurde deutlich, wie sehr allen diese unvergessliche Zeit gefallen hatte und dass wir uns einig waren, dass wir viel erreicht hatten. Kaum jedoch hatten wir uns kennengelernt, so schien es, waren wir gezwungen uns wieder von den neuen Freunden zu trennen. Der Gedanke daran, dass sich zwar über soziale Netzwerke der Kontakt gut halten lässt, aber die komplette Gruppe (in dieser Konstellation) wohl eher nicht mehr zusammentreffen können wird, bewegte uns sehr und ließ bei niemandem die Augen trocken.

Unsere letzte gemeinsame Tat bestand nach unserer Rückkehr aus Wittenberg darin, Bäume am Herchener Schulsportplatz zu pflanzen, um die Kameruner von ihren Flugkosten zu „erleichtern".

Wie das Projekt begonnen hatte, fand es auch seinen Abschluss: Zusammen mit allen Teilnehmern des Projekts und der begeisterten Schulleitung sangen wir als kleine 'Einweihung' zum letzten Mal „There's no one like Jesus", in der Gewissheit, dass dort, wo etwas endet, auch immer etwas beginnt.

Wacka fine!

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Willkommen auf der Homepage des Bodelschwingh-Gymnasiums in Herchen. Wir sind ein staatlich anerkanntes Gymnasium in kirchlicher Trägerschaft. Die Schule ist in der Sekundarstufe I dreizügig und bietet in der Sekundarstufe II den Schülerinnen und Schülern ein weitgefächertes Leistungs- und Grundkursangebot.