Schulleben
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In der Mongolei - das Austauschprogramm des Bodelschwingh-Gymnasiums Herchen und der Goethe-Schule in Ulan Bator

von Anne Locher, Imke Frobeen und Torsten Fritz im Juni 2017

Unsere Reise begann in Frankfurt am Sonntagmittag, 29. Mai 2017. Wir, das waren Frau Frobeen, Frau Locher und Herr Fritz als Lehrkräfte des BGH und Herr Frobeen, als „normaler Mensch" und privat Reisender.

Unsere lntention war es, vor Ort die neue Situation der Goethe-Schule zu eruieren, nachdem Frau Khadjidmaa im Februar mit einigen Lehrkräften und etwa der Hälfte der Schüler in ein neues Gebäude umgezogen ist. Herr Fritz wollte über die Zukunft der Partnerschaft mit den zuständigen Stellen beraten, Frau Frobeen wollte mit Musikkollegen ein gemeinsames Projekt initiieren, das bei dem nächsten Besuch der Mongolen zur Aufführung gebracht werden soll. Frau Locher ging es um die Erfahrungen mit einem „Deutsch als Fremdsprache"-Test, den sie im letzten Jahr mit der Ortslehrkraft Erka am BGH entworfen hatte, und um den Austausch von Materialien für den Fremdsprachenunterricht in der Mongolei.

Am Montagmorgen wurden wir herzlich am Flughafen in Ulan Bator empfangen von Mr Bayar, dem Ehemann der Schulleiterin und großen Unterstützer aller bisherigen Austauschprogramme. Uns blieb keine Zeit, über unsere Müdigkeit nachzudenken (in Deutschland war es mitten in der Nacht), denn vom Hotel ging es gleich weiter zur Goethe-Schule. Nicht nur die Schulleiterin Frau Khadjidmaa und ihr ältester Sohn (Englischlehrer und Finanzmanager an der Schule) kamen uns freudig entgegen, sondern auch zwei Schülerinnen, die im Februar für vier Wochen am BGH gewesen sind.

Beim gemeinsamen Mittagessen mit allen Deutschlehrerinnen und -lehrern der Schule machten wir - wie bei jedem Austausch - schmunzelnd Bekanntschaft mit dem typisch mongolischen „Eigentlich wollten wir aber...". Denn Frau Khadjidmaa hatte entschieden, dass wir nicht - wie geplant - die fünf Tage in der Stadt mit Teilnahme am Unterricht und Dienstgesprächen mit diversen offiziellen Vertretern von Schule und Sprachprogrammen verbringen, sondern alles auf zwei Tagen konzentrieren sollten. Sie meinte, die Mentalität, die Musik, die Literatur, die Menschen der Mongolei seien nur zu verstehen, wenn man sich aus der Stadt heraus in die Steppe bewege. Besonders für Frau Frobeen, die zum ersten Mal in der Mongolei war, erschien ihr diese Erfahrung wichtig. Herr Fritz und Frau Locher, durch den Austausch schon erfahrene Steppenreisende, nahmen die Einladung gerne an. So wurden wir buchstäblich ab Dienstag für drei Tage „in die Wüste geschickt", nämlich Richtung Süden in die Gobi, mit Mr Bayar als Chauffeur und ortskundigem Führer.

Den Rest des ersten Tages verbrachten wir mit Schulführungen durch das neue Gebäude: überall deutschsprachige Poster, Unterrichtsmaterial in deutscher Sprache und im Foyer lief der Film, den ein TV-Team bei unserer Steppentour 2014 gedreht hatte. Die Partnerschaft mit dem BGH ist allgegenwärtig.

ln den Räumen herrschte reges Proben für den bevorstehenden Tag der Offenen Tür zum Schuljahresende am Freitag. Neben den geplanten Gesprächen mit Musik- und Deutschkolleginnen und -kollegen und Schülern nahm Frau Frobeen an Proben des Pferdekopfgeigen-Orchesters aktiv teil und verliebte sich spontan so sehr in dieses Instrument, dass sie eines für sich bestellte. (Es wurde ihr am Freitag strahlend überreicht.)

Am Abend erwartete uns ein Arbeitsessen mit Herrn Bückert, dem Vertreter der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA), der für Austauschprogramme zuständigen Institution, und Dezernenten für Deutsch in der gesamten Mongolei. Thema war die weitere Organisation unserer Beziehungen nach der Aufteilung der Goethe-Schule. Zur Zeit dauern die rechtlichen Verhandlungen über Namensgebung und Lizenzen noch an, aber ein Fortbestehen des Kontaktes sei ihr außerordentlich wichtig, betonte Frau Khadjidmaa, die Gründerin unserer nunmehr 15-jährigen Partnerschaft. Nach unserer Rückkehr aus der Wüste Gobi fand ein weiteres Treffen mit Herrn Bückert statt, in dem Häufigkeit, Terminierung (eventuell September) und mögliche Programme für die deutschen Schülerinnen und Schüler besprochen wurden.

Die Reise durch die unendlichen Weiten der Steppe auf dem relativ neuen und schnurgeraden Highway wurde zu einem eindrücklichen, wenn auch sehr anstrengendem Erlebnis. Wir profitierten während der stundenlangen Fahrt im Jeep von Mr Bayars sachkundigen Erläuterungen zur Kultur und Geschichte des Landes, seinen amüsanten Anekdoten über die Nomaden und deren Lebensweise und schmiedeten immer neue Pläne für die Kontakte der jungen Generation unserer Partnerschulen. Unser Ausflug am zweiten Tag mit Übernachtung im Jurten-Camp führte auf abenteuerlichen Off-road-Pisten zur Geierschlucht (in den Ausläufern des Altai-Gebirges) mit ihren Eisflächen bei 27 Grad Außentemperatur. Zuerst durchgeschüttelt im Jeep, dann - sehr mongolisch - auf Pferderücken. Mit einer Schülergruppe wäre ein Ritt sicherlich ein großes Abenteuer. Wir waren schnell in die Landschaft integriert und konnten zwei Tage später in den Tänzen und Liedern diesen Rhythmus oft wiedererkennen.

Am Freitag wurden wir in der Schule zurückerwartet, nahmen aber auf dem Heimweg aus der Gobi noch ein unbeschreibliches Naturphänomen mit: den Tsagaan Sawarga Canyon. Diesen Canyon sollte man bei zukünftigen Besuchen unserer Schülerinnen und Schüler unbedingt ansteuern! Wir fühlten uns wie die einzigen Menschen auf dem Planeten in dieser Weite, in der nur große Herden von Kamelen oder Pferden oder Ziegen/Schafen ab und zu den Weg kreuzen. im Camp waren wir auch die einzigen Touristen gewesen, bis zwei Motorradfahrer ankamen - aus dem Westerwald!

Nach drei Tagen in Grau-Brauntönen, völliger Stille und fast menschenleerer Natur erlebten wir am Freitag eine Explosion von Farben, Kostümen, Musik, Tanz, Kultur beim Tag der Offenen Tür in der Goethe-Schule. Jede der Klassen 1 - 12 präsentierte sich einzeln mit einer Vorführung in der festlich geschmückten Turnhalle. Wir waren gefesselt von der Vielfalt der Musikstile, der Tänze und Theaterstücke, u. a. „Rotkäppchen" auf Englisch (Kl. 6), „Dornröschen" auf Deutsch (Kl. 7) und einer englischen Kurzfassung von Shakespeares „Merchant of Venice" (Stufe 11). im Anschluss an das bunte, nur von den Klassen gestaltete Programm ehrte die Schulleiterin besondere Verdienste des Kollegiums und der Schülerinnen und Schüler mit Urkunden und Buchgeschenken, z. B. besonders begrünte Klassenzimmer, die beste Handschrift, den spannendsten Aufsatz, die höchste Punktzahl beim Känguru-Wettbewerb. Wir deutschen Kollegen versuchten, alles mitzunehmen in Form von Filmen, Fotos, Materialien, um es in Herchen an unsere Schülerinnen weiterzugeben.

Uns Lehrer beeindruckten besonders die Freude und der Stolz, mit der alle Aufführenden ihre Schule präsentierten, die Gruppendisziplin, das Miteinander der Geschlechter und das Nebeneinander von Tradition und moderner, internationaler Musik und Literatur: ein großes Erlebnis, von dem wir gerne einiges an unserer Schule einbringen würden. Aus diesem Grund tauschte Frau Frobeen mit der Musiklehrerin Noten und CDs, um beim nächsten Besuch der mongolischen Gruppe bereits parallel vorbereitete Musikstücke gemeinsam vorführen zu können.

Frau Locher übergab für das Fach „Deutsch als Fremdsprache" Lehrbücher und Bildmaterialien zur Vorbereitung auf den Abschlusstest.

Was bleibt nach sechs Tagen Mongolei? Ein Kopf voller Bilder von Landschaften, Ruhe und Weite, die wir uns kaum vorstellen können, von immer wieder erfahrener Gastfreundschaft bei aller Kargheit in der Steppe, von der Freude der Austauschschülerlnnen beim Wiedersehen mit den deutschen Lehrerinnen, Frau Khadjidmaas Fürsorge und Planung, mit der sie uns ihr Land näherbringen möchte. Und unser aller Wunsch, diese Partnerschaft zu pflegen, um vielen deutschen SchülerInnen diese Welt zu öffnen.


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Das Bodelschwingh Gymnasium

Willkommen auf der Homepage des Bodelschwingh-Gymnasiums in Herchen. Wir sind ein staatlich anerkanntes Gymnasium in kirchlicher Trägerschaft. Die Schule ist in der Sekundarstufe I dreizügig und bietet in der Sekundarstufe II den Schülerinnen und Schülern ein weitgefächertes Leistungs- und Grundkursangebot.