| The bare necessities of life oder: Musik als Grundnahrungsmittel |
|
|
Man kann es mit Friedrich Nietzsche sagen: „Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum!“ Dieses Lied von Balou, dem Bär, war dabei nur ein Baustein innerhalb eines längeren Konzertabschnitts von Unterstufenchor und Unterstufenorchester vor der Pause mit dem Titel „Musik aus dem Urwald“, welches neben dem oben erwähnten Song noch Ausschnitte aus einem bereits vor Jahren komponierten "Urwald-Musical“ von Imke Frobeen und K. Steiner bot. Imke Frobeen übernahm übrigens erstmals mit Holger Knöbel die Gesamtleitung des Abends, Holger Knöbel verdient besonderes Lob für die wundervollen mehrstimmigen Sätze, die er für verschiedene Vokalensembles des Abends geschrieben hatte, so u.a. für den Vokalpraxiskurs der Stufe 12, der nach der Pause bekannte Hits wie „Lemon Tree“ und“ I´m walking“ und „Streets of London“ auf hohem Niveau beisteuerte. Zurück aber zur Chronologie der Ereignisse: Nach dem Schulchor (unterstützt von Instrumenten), der einige Madrigale zum Besten gab und sich sehr intonationssicher und stilsicher in die Popharmonik aus „Shenandoah“ und die für heutige Ohren etwas fremdartige Musik aus der Renaissancezeit eingearbeitet hatte, kam ein Junge aus Klasse 5c (Luc Ibrom) auf die Bühne, sang ganz allein „I like the flowers“, aber mit selbstverständlicher Einfachheit und Intensität, so dass man sich fragte, wann man zuletzt solch einen Auftritt gesehen hatte: „Musik als Grundnahrungsmittel“. Einfach, um seiner Freude über die schöne Jahreszeit Ausdruck zu geben und diese Freude musikalisch mitzuteilen. Eine Parallele hatte dieser Auftritt dann aber doch noch und zwar mit dem Erscheinen einer jungen Geigerin namens Vanessa Hundt aus Klasse 5b, die den „Ungarischen Tanz“ von Brahms mit einem derart großen und voluminösen Bogenstrich spielte, dass man meinte, eine Berufsgeigerin zu hören. Zwar stimmte noch nicht jedes rhythmische Detail, aber einen solch starken Ausdruckswillen und solche Musikalität hört man in der Tat selten: Da passte kein Zentimeter mehr zwischen Bogenabstrich und -aufstrich, entsprechend gebannt war das Publikum. Überhaupt lebte das Konzert vom Wechsel zwischen Solisten(oder Duos) und größeren Ensembles. So gerierte sich Dustin Harder mit Rachmaninows gewaltigem Prelude als wahrer kleiner Tastenlöwe, der, obwohl erst in Klasse 6a, Stücke bezwingt, die für manch erwachsenen Hobbypianisten unspielbar wären. Er errang naturgemäß donnernden Applaus. Auf ganz andere Art überzeugte die Solistin Madeline Radermacher aus der 7d, die ein „Nocturne“ (also ein Nachtstück), von Tschaikowski mit wunderbar kultiviertem Anschlag und höchstem Sinn für Klangnuancen spielte, eine erstaunliche Entwicklung der jungen Pianistin. Dass dieses Stück nicht „Knock-turn“ ausgesprochen wird, war einer der wenigen und noch dazu sehr sympathischen Fehler des Moderatorenteams aus den Klassen 9a und 9c, die souverän durch den Abend und die Tombolaziehung führten. Welche Arbeit bei der Organisation im Vorfeld nötig war, um, zusammen mit Hannes Leibrock und Luca Ebach aus der Tontechnik-AG, dieses Ereignis zu stemmen, lässt sich nur erahnen. Es gab einige Passagen während des Konzerts, die so erstaunlich virtuos und musikalisch zugleich gestaltet wurden, dass den Zuschauern wirklich der Atem stockte. Dies war z.B. der Fall, als Tido Frobeen den „Libertango“ von E. Sammut intonierte. Bei aller zirzensischen Artistik, die sein Auftritt notwendigerweise mit sich bringt, konnte man Tidos zunehmende Fähigkeit bewundern, auf kleinstem Raum rhythmische Finessen gekonnt auszuspielen und zu zelebrieren, hier hätte man ohne weiteres einen ganzen Abend zuhören können. Neben den Solisten des Abends sollen aber auch die Duos nicht unerwähnt bleiben, so Lucy Pack (Gesang) und Annika Becher (Klavier) mit „Someone like you“. Von Lucy Pack wurden sehr konzentriert alle Strophen dargeboten, dazu wurde sie auswendig am Flügel begleitet, oder genau so gut Jule Schabernack und Anna-Lena Rörig mit einer gelungenen Bühnenshow bei ihrem Lied „Almost lover“. Jana Hillert und Johanna Steber waren im Duett zu bewundern, besonders bei Jana wurde hörbar, dass sie Soul in der Stimme hat, und sichtbar, dass sie sich traut Gefühle zu zeigen. Lukas Engelberth, Lorenz Feilke, Tim Engelhardt vermittelten viel Spielfreude, selbst eine kleine Panne wurde von ihnen durch gute Improvisation gemeistert. Christian Esser (Klavier und Gesang), Tristan Fork, sehr gut am Schlagzeug, traten als „Die fantastischen Wurzel aus Vier“ auf und hatten die Fans sofort auf ihrer Seite, der Konzertmitschnitt ist schon auf youtube zu sehen. Janina Hoppe und Christian Esser merkte man bei ihrem gemeinsamen Auftritt an, dass sie immer besser aufeinander eingespielt sind.
Nicht alle Musiktalente können hier ausreichend gewürdigt werden. Alle trugen aber zu einer gelungenen Veranstaltung auf dem Bodelschwingh-Berg bei. Allerdings bleibt abschließend festzustellen, dass die jüngste Besucherin von dem Konzertabend nichts mitbekam; gelassen verschlief Marit das Konzert auf dem Arm ihrer Mutter, Frauke Stenger, der BGH-Musiklehrerin, die sich zur Zeit in Erziehungsurlaub befindet. |
| < zurück | weiter > |
|---|








