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Jazz: (weiblich) und Jazz: (männlich) Drucken
Ein sehr kontrastreiches Programm  mit ‚Jazz’ gab es am Mittwochabend in unserer  Aula zu hören: Jazz mal aus weiblicher und mal aus männlicher Perspektive.
Luisa Zahn eröffnete das Konzert, das sie selbst organisiert hatte, mit Duos für Jazz- Gitarre und Gesang (ihre Schwester Katharina); hier standen entspannte, sehr melodische und atmosphärische Stücke im Stile von Norah Jones  im Vordergrund; die jahrelange Zusammenarbeit der Schwestern zeigte sich an kleinen Details: so "ahnte"  jede der beiden immer bereits im Voraus, wo sie das Tempo ein wenig anziehen oder verlangsamen durfte, fast so wie ein Pianist, wenn er ein Klavierwerk mit durchaus erlaubten agogischen Schwankungen präsentiert.
Diese rhythmisch flexible und quasi kammermusikalische Musizierweise der beiden Schwestern stellte zunächst für den dazu kommenden Gitarristen Silas Wallmeroth eine gewisse Herausforderung dar, denn über ein stetig gleichbleibendes  Metrum lässt sich gewiss leichter  improvisieren: innerhalb kürzester Zeit stellten sich deshalb  alle Beteiligten auf einen gemeinsamen "groove" ein und  nachdem dann der Schlagzeuger Valentin Austen dazugekommen war, gab es ohnehin keine Frage mehr, wer hinfort ‚den Ton angeben’ würde: Valentin Austen, der dieses Instrument in Essen studiert, zeigte sich als sehr variantenreicher Drummer, voller Einfälle und mit einem Drumset ausgerüstet, welches einfach wunderbar klang, da er sein Instrument  (u. a.) offenbar gestimmt (!) hatte, was nicht gerade selbstverständlich im Bereich Jazz ist.
Nachdem Luisa und Katharina Zahn ihren Auftritt beendet hatten, trat als Kontrast dazu das  "Nils Wrasse Quartett"  in Aktion  (Nils Wrasse mit Sopran- und Altsaxophon , Dirk Kunz am akustischen Bass,  Nicolai Hein an der E-Gitarre, Valentin Austen am Schlagzeug).  Jetzt hörte man rhythmisch differenzierten zeitgenössischen  (männlichen?) Jazz;  Namen wie Michael Brekker, Herbie Hancock, Miles Davis gaben hier die Richtung vor.
Es standen kraftvolle, oft sehr funkige Stücke auf dem Programm, die absolut professionell dargeboten wurden; die Kommunikation zwischen den Musikern, das Hin-und Herwerfen der rhythmischen und melodischen Bälle klang überzeugend; ja zum Teil musste man als Zuhörer schon sehr die Ohren spitzen, um innerlich nachzuvollziehen, was einem hier qualitativ geboten wurde, da Nils Wrasse inzwischen zu einer echten Musikerpersönlichkeit gereift ist, auf dessen weitere Entwicklung man gespannt sein kann und einer, der seine Zuhörer regelrecht "fordert".
Dirk Kunz am Bass bot mal knochentrockene Riffs in lakonischer Kürze, mal virtuose Doppelgriffe und rasende Läufe,  mal swingende "walking bass"-Passagen, je nachdem, was gefordert war, seinen Bass als Rhythmusinstrument und Melodieinstrument gleichzeitig einsetzend.
Immer wieder gab es kleine musikalische Zwiegespräche zwischen den Akteuren, so z. B.  zwischen dem unheimlich begabten Gitarristen Nicolai Hein und Dirk Kunz oder zwischen Schlagzeug und Bass.
Nicolai  Hein schien Im Grunde eigentlich gerade erst richtig " warmgespielt", als das Konzert leider aus Zeitgründen zu Ende gehen musste. Man hätte gerne noch mehr von ihm und allen Beteiligten gehört.
Dass die Kommunikation der vier Ausnahmemusiker so selbstverständlich klang, als ob sie seit Jahren zusammen spielen, ist umso verwunderlicher, als sich zum Schluss herausstellte, dass Nils Wrasse noch nicht einmal den Namen seines kongenialen Partners an der Gitarre kannte, denn dieser war kurzfristig dazugekommen.
Dieses kleine Detail verdeutlichte um so mehr, auf welchem Niveau hier musiziert wurde, denn jeder der Beteiligten kannte den Stil und das musikalische Vokabular  der vorgetragenen Stücke  (z.B. "Maiden Voyage" von Herbie Hancock oder  "All Blues" von Miles Davis oder die vertrackten Rhythmen von "footprints" )  so gut, dass ein gemeinsames musikalisches Gespräch, ein improvisierendes Sich-Austauschen über die jeweiligen Stücke,  jederzeit möglich war. So endete ein kontrastreicher, mal weiblich (!?), mal männlich (!?) dominierter Jazzabend, der eine große Bandbreite des heutigen Jazz abdeckte.
Vielen Dank an die Organisatoren dieses ganz besonderen Abends und an alle Mitwirkenden!  (Klaus Zöllner) 

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