Nun ruhen alle Wälder Herbstkonzert von Schulchor und Vokalpraxis-Kurs des Bodelschwingh-Gymnasiums am letzten Septembertag in Herchen Warum genießt man manchen sonnigen Herbsttag mehr als einen Sommertag? Weil diese Tage seltener und immer kürzer werden, würdigt man jeden einzelnen Moment umso mehr. Genau dieser Effekt stellte sich beim Herbstkonzert von VP-Kurs und Schulchor am vergangenen Mittwoch in der gut besuchten Aula ein. Nicht einmal eine Stunde dauerte das gesamte Konzert, aber es zeichnete sich aus durch Konzentration auf das Wesentliche und alles, was ein gutes Konzert abwechslungsreich macht, war vorhanden: Ehemalige und Erwachsene im Schulchor gegenüber Jugendlichen im VP-Kurs, mal nacheinander, mal nebeneinander; große Gruppen und solistische Beiträge; Altes und ganz Modernes, Heiteres und Ernstes; a cappella Gesang und dagegen fast orchestrale Arrangements bei den instrumental begleiteten Stücken.
Vergleicht man das Herbstkonzert mit einem reifen Apfel, dann war das höchstens zwei Minuten lange konzentrierte Solo des Tenorsaxofons (Nils Wrasse) zumindest für den Rezensenten dieser Zeilen der reife Kern des Ganzen, hier zeigte sich in exemplarischer Weise, wie wenige Töne und wie wenig Zeit ein sehr guter Musiker braucht, um sehr viel zu sagen: Dies galt insgesamt für diesen "Abend": Zuerst betrat der Schulchor die Bühne, und besang a cappella die Natur (des Windecker Ländchens) im Herbst. Immer wieder bemerkenswert ist dabei der völlige Verzicht auf die sonst bei dieser Art von Stücken so obligatorische Stimmgabel in der Hand des Dirigenten Holger Knöbel, der das Konzert im Alleingang souverän leitete. Die Stimmgabel ist bei Holger Knöbel nämlich sozusagen schon werksseitig auf seiner musikalischen Festplatte fest "mitinstalliert"; will sagen, ein absolutes Gehör braucht dieses Hilfsmittel nicht. Die schwierigen Intervalle besonders bei Brahms wollen vom Chor nicht nur sauber gesungen werden - das allein reicht überhaupt noch nicht - sondern ständiges "Hineinhören" in den "Wald der anderen Stimmen" um einen herum ist gefordert, so dass die Harmonien und nicht ganz einfachen Rhythmen ein Ganzes ergeben und in die "Waldesnacht" der gewünschte Frieden einziehen kann. Dies gelang dem Schulchor zu weiten Teilen recht gut, zumal die nicht einfachen Harmonien ja auch erst einmal verstanden werden müssen und Brahmsens wie Schindeln übereinander geschichtete Motive zu einem gemeinsamen "Dach" geformt werden müssen. Ein ganz anderer Klangcharakter entstand dann in "What a wonderful world", mit drei sauber intonierenden Querflöten und professionell gestrichenem Bass und mit effektvollen "call and response" Passagen, d.h. im Wechsel zwischen dem Bassisten (K. Grützner) und dem Chor. In "Caravan of Love" und einem Jazzkanon davor beeindruckte die ebenfalls aufs Äußerste konzentrierte "minimalistische" Choreographie: bei den Worten "stand up" stand der VP-Chor auf den Zehenspitzen und begleitete die drei Solistenpaare in gefühlvoller Weise als Klangteppich. Ein Höhepunkt des gesamten Abends war dann das Werk "Rhythm of Life", das den schon nach wenigen Wochen erreichten hohen Leistungsstand des VP-Kurses dokumentierte: prägnante englische Aussprache und gelungen gesetzte polyphone Akzente beeindruckten das Publikum. So viel Mehrstimmigkeit hört man in der Popmusik selten. Als gemeinsames Stück gab es sodann ein afrikanisch angehauchtes Stück zum Mitsingen für das Publikum (E-lah) und zwei sehr gegensätzliche Werke zum Vergleichen: einmal den Evergreen "Somewhere over the rainbow (drei Flöten, Kontrabass, Geige und Saxofon) und ein besinnliches Stück von Zoltan Kodaly über einem "liegenden Bass" (nein, nicht Frederic Zeidler), sondern einem über mehrere Takte gehaltenen liegenden Ton. Schön vom Schulchor und VP-Kurs ausgehörte Harmonien zeigten hier wieder die recht hohe Stimmkultur der beiden Chöre. Als Zugabe durften die Zuhörer noch das Volkslied "Nun ruhen alle Wälder" mitsingen, so dass das Konzert auf diese Weise abgerundet wurde. Der Eintritt war zwar frei, der Austritt dagegen nicht: eine beeindruckende Summe kam naturgemäß an den Ausgängen zusammen, sie wird sowohl dem Sarafina-Musical (ab 29.10.09 in der Aula des BGH zu sehen) als auch der Stufenkasse der 12er zukommen, denn die Abiturfeierlichkeiten sind nicht mehr weit. Auch hier werden die Tage bereits merkbar kürzer. (K. Zöllner)
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