| Mit Smoking in die Psychatrie |
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Weiler umgibt sich in Drachensaat mit illustrer Gesellschaft Windeck-Herchen (sc). Die Stimme von Journalist und Buchautor Jan Weiler trügt! Sein gewollt ruhiger Sing-Sang könnte ein Kind in den Schlaf lullen, wäre da nicht der krasse Gegensatz zum Inhalt seiner Geschichten, die er auf der gesamten Klaviatur der Absurdität ansiedelt. Freundlich blickt er auf Situationen und Menschen aus dem Alltag, katapultiert dann seine Figuren über die Grenze des Realen; manchmal landen sie himmlisch, gerne aber auch höllisch. Der Abitur-Jahrgang des Bodelschwingh-Gymnasiums in Herchen hatte die Lesung mit Jan Weiler organisiert. Kontaktmann war sein Bruder Christoph, der als Pädagoge an der Herchener Schule unterrichtet. Mit seinem ersten Buch "Maria, ihm schmeckts nicht" ist dem 41-Jährigen ein äußerst liebenswerter unterhaltsamer Bestseller über seine angeheiratete italiensche Familie gelungen. Im Mittelpunkt steht sein Schwiegervater Antonio Marcipane, den Weiler mit viel Fantasie zur schillernden Romanfigur beförderte, und sich damit die Herzen der Leser eroberte. Entsprechend war die Schulaula voll besetzt mit Leseratten, die den Autor persönlich erleben wollten. Marcipanes Besuch im Schönheitssalon von Frau Dörper, der dermatologischen Stalinorgel, trug Weiler aus seinen Kolumnen für ein bekanntes Magazin vor und erntete erheiterten Beifall. Aus seinem neuen Roman "Drachensaat" las Autor Auszüge vor. Psychotherapeut Dr. Heiner Zens will darin das nach ihm benannte Syndrom als neue Zivilisationskrankheit beweisen und greift zu drastischen Mitteln. In seiner Klinik sammelt er fünf Patienten um sich, die als gesellschaftliche Außenseiter Schlagzeilen machten. Architekt Bernhard Schade beispielsweise wollte sich beim dritten Akt der Aufführung der "Götterdämmerung" in Bayreuth in den Kopf schießen. Nach einem misslungen Schuss landet er in der Psychiatrie, wo er vier Monate mit Smoking herumläuft. Patientin Rita Bauernfeind kann in ihrem Kopf Radio hören und Ünal Yilmaz ist Hypermoralist. Eine Tribunal-Talkshow mit einem gestrandeten Bankmanager soll ihnen heilende Aufmerksamkeit verschaffen. Den Auftakt machte Weiler allerdings, indem er sich als Musterkunde der Deutschen Bahn outete, der viele Stunden in einer Art Schockstarre gelungene Zugdurchsagen sammelt - "Thank you for rising with the Deutsche Bahn". Auch Verspätung im geschlossenen System Bahn findet er super: "Wie bei der Sommerzeit bekommen Sie eine Stunde von Hartmut Mehdorn geschenkt." Mit freundlicher Genehmigung www.extra-blatt.de |
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